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Wollseifen ist ein Dorf in der Nordeifel.
Falsch. Wenn man in Köln den Namen „Wollseifen“ in ein Navigationssystem eintippt, stellt man fest, dass er nicht gefunden wird. Man ist also gut beraten, seine Fähigkeiten, Karten zu lesen zu reaktivieren. Dann findet man den Namen, kursiv geschrieben, nah der belgischen Grenze, am Rande des Hohen Venns, einem ausgedehnten Hochmoor. Und man ahnt schon, dass es dieses Dorf wohl gar nicht mehr gibt.

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Wolfsiefen hieß die Siedlung vormals und wurde 1064 zum ersten mal urkundlich erwähnt. Der Name deutet an, dass sich die Menschen hier eine Wasserquelle (Siefen) wohl auch mit Wölfen teilen mussten. Es war ein kärgliches Leben auf dem unfruchtbaren Boden der Eifel. Dennoch entstand hier 1635 eine eigene Pfarre mit der Kirche St. Rochus, die dem Erzbistum Köln unterstand.

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Wenn die Gegend auch arm war, zeugen alte Fotos von einem zufriedenen Dorfleben der Bewohner. Das sollte sich allerdings ändern, als die Nazis 1934 auf die Idee kamen, in der Nähe die „Ordensburg“ Vogelsang zu bauen.
So ist es nicht verwunderlich, dass zum Ende des Krieges auch das Dorf Wollseifen bombardiert wurde. Nach dem Krieg wurde es wieder aufgebaut aber schon 1946 mussten die Bewohner es erneut verlassen, als es zu einem Truppenübungsplatz werden sollte. Sie wurden einfach enteignet:

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Im Verlauf der militärischen Übungen brannte dann auch die alte Kirche vollständig aus.

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Die ehemaligen Bewohner, die irgendwo bei Verwandten in der Nähe untergekommen waren, gaben die Hoffnung endgültig auf, je in ihr Heimatdorf zurückkehren zu können.
Seit 1950 übte das belgische Militär den Häuserkampf in Wollseifen.

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Doch das ist nun auch vorbei und die Natur holt sich Wollseifen allmählich wieder zurück. Heute sieht man nur noch drei zerfallene Gebäude: St. Rochus, die alte Schule und ein Trafohäuschen.

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Es ist still geworden in Wollseifen.

Wollseifen
Alle Fotos © 2013 Frieder Zimmermann

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