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und ich hatte eine Menge Bilder in Kopf, bevor ich mich entschloss, nach vielen Jahren erneut nach Venedig zu fahren, um dort zu fotografieren. Doch meine Vorfreude kehrte sich schlagartig ins Gegenteil als ich vom Boot stieg, das uns vom Flughafen zur Piazza San Marco gebracht hatte. Nein, so hatte ich Venedig nicht in Erinnerung. Selbst die Tauben hatten kaum Platz, sich zwischen den Touristen niederzulassen, um ein wenig von dem zu profitieren, was alles an Leckereien aus den frisch erworbenen Pizzatüten krümelte. Weite Bogen musste man mit seinem Rollkoffer schlagen, um sich den Weg durch die Trauben von wissbegierigen Reisenden zu suchen, die mit einem Hörstöpsel im Ohr, per Funkübertragung den Worten der Führer in ihrer jeweiligen Landessprache lauschten und alle auf Kommando die Köpfe hoben, um die Höhe des Campanile zu ermessen. Italienisch hörte man eigentlich recht wenig, wenn ich es mir im Nachhinein überlege.
Aber worüber rege ich mich auf?  Wir waren doch auch Touristen, oder? Na, ja gut – Individualtouristen. Aber ist dieser Umstand schon allein ein Adelsprädikat?
Noch nicht am Hotel angekommen, dachte ich über vorzeitige Abreise nach. Nie und nimmer würde ich die Bilder machen können, die ich im Kopf hatte. Man sagt, dass man im Alter ruhiger und gelassener würde. Bei mir ist das offensichtlich anders. Ich werde immer ungeduldiger. Zeit zu verschwenden ist mir ein Greuel. Eine Woche Venedig, ohne seine Pläne umsetzen zu können?

Es kam anders – Gott-sei-Dank!

Noch nie habe ich so gute Spaghetti al pomodoro gegessen wie am ersten Abend, noch nie hat mir das einfache Glas Wein so gut dazu geschmeckt, noch nie war so wenig Espresso im dickwandigen Tässchen und noch nie war er so stark, glaubte ich.
Es war vielleicht halb zehn abends. Mit dem herrlichen Gefühl, etwas ganz einfaches und doch leckeres gegessen zu haben, standen wir wieder auf dem Marcusplatz. Und, ein Wunder war geschehen. Die Touristen waren verschwunden. Die Tauben, die doch nun wieder Platz genug gehabt hätten, hatten sich zum schlafen in die Baunischen der Basilica zurückgezogen. Nur noch kleine Menschengruppen scharten sich um die drei Orchester, die vor den noch geöffneten Nachtcafés wunderbare Musik zwischen Klassik und Swing spielten. Die Tagestouristen wussten inzwischen alle, wie hoch der Campanile ist, hatten geduldig gewartet, bis sie sich auch von oben mit eigenen Augen überzeugen konnten, dass Venedig wirklich eine Lagunenstadt ist. Jetzt waren sie alle wieder auf den Kreuzfahrtschiffen, die schon ungeduldig zum 6-Gänge Dinner getutet hatten.
Meine Zuversicht wuchs, vielleicht doch noch den morbiden Charme dieser Stadt fotografieren zu können, um dessen Willen ich hier war. Hier sind einige wenige Bilder aus der Serie „Night café“:

Nachtcafe-3

Nachtcafe-2

Nachtcafe-6

Nachtcafe

Nachtcafe-4

Nachtcafe-5

Venedig

Alle Fotos Leica M9 | © Frieder Zimmermann

will be continued …

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