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Vor einigen Monaten habe ich diesen wichtigen Film der Nouvelle Vague aus dem Jahr 1959 zum ersten Mal gesehen. Die ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen einer französischen Schauspielerin (Emanuèle Riva) und einem japanischem Ingenieur (Eiji Okada), spielt in Hiroshima.  Sie hat mich sehr berührt.

Filmplakat
Nur zwei intensive Nächte und einige von Abschiedsangst durchsetzte Tagesszenen reichten aus, mich in den Bann dieser Geschichte zu ziehen, die Marguerite Duras geschrieben und Alain Rasnais filmisch umgesetzt hat. Sie erzählt von dem schreckliche Atomgeschehen  in der Stadt Hiroshima und – zur gleichen Zeit spielend – die tragische Geschichte eines jungen Mädchens in der französischen Kleinstadt Nevers.  Ihre verbotene, geheime Liebe zu einem deutschen Besatzungssoldaten und die Verzweiflung über sein tödliches Ende hat sie vierzehn Jahre mit sich herum getragen. Hier in Hiroshima erzählt sie ihrem japanischen Liebhaber darüber und zieht uns damit  in die Mauern der Stadt Nevers.

„Ein schönes Wort, NEVERS“, sagt der japanische Ingenieur einmal nachdenklich.
„Genauso belanglos wie die ganze Stadt“ antwortet sie und erzählt von der Kleinbürgerlichkeit der französischen Provinzstadt.  Und sie erzählt auch vom Umgang der Résistance mit vermeintlichen Kollaborateuren.
So sehr aufgerührt hat mich die Erzählung, dass ich mich spontan entschloss, die kleine französische Stadt Nevers kennenlernen zu wollen. Ich war interessiert, wie sich das Leben dort bis heute, nach fast 70 Jahren, verändert hat.
Eine idyllische, lebendige Stadt am Ufer der wunderschön träge mäandrierenden Loire? Voller historischer Erinnerungen versprach das Stadtmarketing im Internet. Vielleicht würde ich Spuren des Filmdrehs finden, vielleicht einige Orte wiedererkennen?
Für vier Tage hatte ich ein Hotel an der Loire gebucht.
Ich weiß nicht, woran es gelegen hat. Vielleicht haben die Erinnerungen an die Bilder des Films und des französischen Teils der Geschichte ‚Hiroshima mon amour‘ nachgewirkt …

Aber beurteilen Sie selbst, was ich mit nach Hause genommen habe – von Nevers, der Hauptstadt des Nièvre.

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Es fällt auf, wie wenig Menschen man in den Straßen von Nevers sieht. Alle Aufnahmen wurden zu unterschiedlichen Tageszeiten mitten in der Woche gemacht,

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Ein wenig Trost spendet die wunderschöne Landschaft der Loire, die vor den Mauern von Nevers mäandriert. Aber auch diese Stille passt so gut zu der Stadt.

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Zurück in der Stadt Nevers.

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Es schien mir, dass dies wohl der Hotspot der Stadt war:

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Auch abends passierte nichts, aber auch gar nichts in Nevers. „So belanglos wie die ganze Stadt“ sagte die Hauptdarstellerin in Hiroshima mon amour.

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„Tu es Hiroshima“ sagt die Schauspielerin „et toi tu es Nevers“ der Ingenieur als sie auseinandergehen und den Zuschauer, der sich so sehr ein Happy End  gewünscht hätte, ratlos zurücklassen.

(Der Film ist auf deutsch und in Originalsprache noch auf DVD erhältlich.)

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