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ein Buch über analoge Fotografie?
Nein, ich werde in diesem Beitrag keinen längst ausgetragenen und ausdiskutierten Streit über analoge versus digitale Fotografie aufwärmen. Der ist entschieden: für die Fotoindustrie, die neue Absatzmärkte suchte, gegen die Filmindustrie, die ihre Fertigungskapazitäten zurückfahren mussten, gegen die kleinen Fotolabore, die ihre Kunden verloren und für die großen Softwarehersteller, die immer leistungsfähigere Fotobearbeitungsprogramme anbieten. Ja, und last but not least für die Millionen von Bildermachern, die Milliarden von Fotos täglich durch die sozialen Medien jagen und dafür sorgen, dass gigantische Serverfarmen aufgebaut werden müssen und digitale Übertragungsnetze an ihre Grenzen geführt werden.

Und doch hat der mitp-Verlag mit Sitz in der Nähe von Köln ein Buch über analoge Fotografie auf den Markt gebracht. Ob ich vielleicht eine Rezension in diesem Blog darüber schreiben würde, hat mich Sandra Wienke aus dem Lektorat gefragt. Und als ich den Titel des Buches las, „Analog fotografieren und entwickeln – Die eigene Dunkelkammer“ , da spürte ich die Lust plötzlich wieder, nur 12 Bilder auf einem 120′ er Rollfilm zu haben, genau zu überlegen, welches Bild mache ich und welches nicht. Ich erinnere mich an lange Nächte in der Dunkelkammer, daran zu sehen, wie plötzlich Bilder in Entwicklungsschalen entstehen und natürlich auch an den Geruch nach Fotochemie.

analog fotografieren

Marc Stache hat dies Buch geschrieben und man spürt in jeder Zeile, dass er als Fotodesigner große Erfahrung mitbringt. Das Buch aus der Edition PROFIFOTO des mitp-Verlags, erschien in einer Softcover Ausgabe mit 255 Seiten. Beim ersten Durchblättern fallen sofort angenehm die Vielzahl von erläuternden Fotos auf, die in einem Kenner der Materie sofort Erinnerungen wach rufen, für die Mehrzahl der Leser aber, die ihre ersten Fotografiererfahrung auf digitalen Sensoren gemacht haben, ziemlich neu sein dürften. Allein, wenn man das Inhaltsverzeichnis liest, stellt man fest, dass Marc Stache ein vollständiges Buch abgeliefert hat:

Vom physikalisch / chemischem Aufbau des Filmmaterials über die Auswahl des richtigen Films bis zum richtigen Umgang mit Filmen

Von der Einrichtung einer eigenen Dunkelkammer über die Entwicklung von Filmen, die Eigenschaften verschiedener Fotopapiere bis zu den endgültigen Abzügen auf Papier.

Auch auf die Geheimnisse der Positiv- / Negativretusche wird eingegangen. Photoshoper werden sich verwundert die Augen reiben, wenn sie über den Aufwand lesen, den man treiben muss, wenn man kein Stempelwerkzeug zur Verfügung hat.

Und zu guter Letzt ein lesenswertes Kapitel für die Archivierung von Fotos und Filmen. Sie mögen es wissen, aber ist es Ihnen auch bewusst, dass man sogar digitale files zurück auf Film bannen kann, um so ein dauerhaftes Archiv für unwiederbringliche Fotos zu haben? Nun ja, man kann über die Sinnhaftigeit, vor allem auch die Kosten diskutieren. Aber das wäre dann auch schon fast der einzige Kritikpunkt, den ich nennen wollte.

Das Buch wird, wie es sich für ein Fachbuch gehört, durch ein ausführliches, gegliedertes Stichwortverzeichnis abgerundet.

Bleibt die Frage zu beantworten, für wen dies Buch eine Kaufempfehlung ist. Ganz klar für all jene, die sich ihre Liebe zur analogen Fotografie auf Film bewahrt haben und zumindest von Zeit zu Zeit ihre alte lieb gewordene Analoge vom Staub befreien, einen Film kaufen oder die überfälligen aus dem Kühlschrank einlegen. In jedem Fall auch für Fotografiebegeisterte, die den Ehrgeiz haben, den Level eines picture-takers zu verlassen, um sich in Richtung anspruchsvoller Fotografie zu entwickeln. Denn sie wollen dann auch irgendwann mal ihre besten Fotos nicht nur auf den unkalibrierten Displays ihrer diversen elektronischen Devices sehen, sondern vielleicht auf Barytpapier in ihrer persönlichen Mappe. Das soll nicht etwa heißen, dass sie jetzt alle auf Film fotografieren müssten. Aber es kann nicht schaden, etwas über die verschiedenen Fotopapiere zu wissen. Ja, und zu guter Letzt sei das Buch all denen empfohlen, die sich dafür interessieren, wie sich ihr Hobby noch vor 20 bis 25 Jahren dargestellt hat. Wie schön die Ruhe war, mit der Bilder entstanden und wie aufregend die Zeit, als man noch nicht auf dem Display seiner Kamera das Ergebnis seiner Bemühungen kontrollieren konnte.

„Analog fotografieren und entwickeln – Die eigene Dunkelkammer“ von Marc Stache, ein Buch, das in die Jahre gekommenes Wissen vor dem Vergessen bewahrt.

 

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