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„Das war jetzt die letzte Arbeit, die wir für Sie gemacht haben …!“ eröffnete mir der Eigentümer des Fotofachlabors in Köln, bei dem ich seit vielen Jahren Kunde war. Es war im Oktober letzten Jahres (2018). Sie hatten mir zwei große Schwarz-weiß Bilder und ein farbiges in DIN A1 gedruckt und auf Kappa-Platten aufgezogen. Ich wollte sie auf der Leverkusener Kunstnacht zeigen. „Wir schließen unser Labor mit dieser Arbeit. Es lohnt sich einfach nicht mehr.“ Ihr Sohn, der eigentlich das Geschäft schon übernommen hatte, wollte plötzlich auch nicht mehr – ihm war die Liebe dazwischen gekommen und die wohnte nicht in Köln.
Irgendwie war es natürlich lange abzusehen. Dort, wo die Digitalisierung heute auch als Chance gesehen wird, wurde sie hier mehr und mehr zur Bedrohung. Eine Sintflut von digitalen Bildern überschwemmt die sozialen Medien. Statistisch verweilt der Betrachter zwischen 1 und 3 Sekunden auf dem Bild, dann wird es weggewischt. Zu Papier wird kaum eins mehr gebracht oder wenn doch, dann in schlechter Qualität von Minilabs für wenige Cent. Wovon soll also ein kleines Fachlabor heute noch leben? Nun, es gibt auch in Köln noch eine Reihe von kleineren Unternehmen, die ihre Nische gefunden haben und weiter machen. Billig sind sie alle nicht, aber immerhin liefern sie eine gute Qualität. Ich habe lange nachgedacht, ob ich mir einen neuen Dienstleister suchen sollte. Aber die ganz große Begeisterung wollte sich nicht einstellen. Mir fehlten die Menschen „meines“ gewohnten Labors, mit denen ich reden konnte und die auch meine individuellen Wünsche schnell und in bester Qualität erledigten. Und das Schöne war, man konnte sehr oft daneben stehen bleiben und zuschauen, wie das Bild entstand. So schnell ist kein Minilab.

Kurz vor Weihnachten stand mein Entschluss fest:
1. Gute Fotos gehören auf Papier, der Mist bleibt digital.
2. Das technische Equipment, das die Bilder zu Papier bringt, sollte mindestens von der Qualität sein, mit der sie aufgenommen wurden.
3. Ich wollte den gesamten Prozess von der Aufnahme bis zum fertigen Bild in eigenen Händen halten.


erste schwierige Druckversuche auf 10 x 15 cm Fineart Papier von Hahnemühle

Auf den ersten Blick schien der Drucker das größte Problem zu sein. Wie groß, sollte er drucken können, mit wieviel und welchen Tinten. Schon bald aber wurde klar, dass der Raum, in dem mein Labor entstehen sollte, das eigentliche Problem darstellte. Ein mit Büchern voll gestopftes Regal, drei Arbeitsplatten als Schreibtische, selbst gebaute Behelfsregale für Bürodrucker, und vieles mehr setzten meiner Phantasie schnell Grenzen. Neu denken war gefragt. Was musste technisch untergebracht werden? Eine erste Skizze auf Papier entstand. Und ich fand schon fast mehr zufällig eine Schreinerei in meiner Nähe, die sich als ein wahrer Glücksfall erwies. Ich traf auf Leute, die nicht nur ihr Handwerk verstanden, sondern auch kreativ waren. Ich schilderte ihnen meine Wünsche, zeigte Ihnen meine Entwürfe als Grundlage und erhielt zwei Wochen später ihre erste Designskizzen mit Farbentwürfen und Kalkulationen. Noch einige kleine Änderungswünsche und Detaillierungen, dann kamen sie zum Aufmaß-nehmen und ich konnte bestellen.

In den nächsten Wochen kurz vor und intensiv nach Neujahr stand dann entrümpeln, verschenken, suchen nach Abnehmern der alten Einrichtung auf dem Programm. Es war viel Arbeit, aber auch ein herrliches Gefühl des Durchatmenkönnens machte sich breit.  Wunderbar.

Seit vierzehn Tagen ist nun alles wieder bereit: Ein Desktop-Computerarbeitsplatz mit 2 Bildschirmen; besagter Fotodrucker bis DIN A3; eine Reproanlage zur Digitalisierung von einigen zig-1000 6 x 6 Dias. Und last but not least ein neues Regal mit sehr viel Platz für eine umfangreiche Sammlung von Fotobüchern.

Autark bis DIN A3 – Mein eigenes Labor, ein schönes Gefühl.

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