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Auf Anhieb hat sich mir der Titel der Ausstellung im eindrucksvollen Museum Kolumba in Köln nicht erschlossen.
Das Museum des Erzbistum Köln orientiert alle Ausstellungen an den Werken der eigenen Sammlung, die in wechselnden Kontexten einmal pro Jahr vorgestellt werden. Diesmal lautet der Titel der Ausstellung „Aufbrüche“. Erst wenn man das etwas unübersichtlich gedruckte Begleitheftchen gelesen hat, lernt man, dass alle Ausstellungsstücke nach Ansicht der Kuratoren einen Aufbruch in eine neue Zeitära darstellen. Dabei werden alle Bereiche des Lebens, sei es Kunst, Geschichte, Literatur, Wissenschaft, Architektur, Design oder Gebrauchsgegenstände,  berührt. In den Ausstellungsstücken sollen sich das Selbstverständnis, die Bedürfnisse und Utopien der Menschen widerspiegeln (Zitat). Gerade die Gebrauchsgegenstände wie Ventilatoren, Kaffeemaschinen, oder ein altes Telefon sind dann aber wohl eher als Metaphern für Aufbrüche zu verstehen.

Wenn man sich dann aber mal von dem Bemühen befreit hat, hinter allen Ausstellungstücken den Aufbruch – in was auch immer – zu suchen, kann der Besuch des Museums durchaus zu einem vergnüglichen Nachmittag werden. Eine Komposition aus zwei alten Stühlen, einer Glühlampe, Besenstielen und Eimern etwa. Sie stellt die heiligen drei Könige auf Ihrem Weg, die Krippe zu finden dar. Sie folgen dem Stern in Form eines alten Holzrades. Oder die drei Astronauten der Apollo 8-Mission, die in einer Kaffeetasse sitzend unseren schönen Heimatplaneten aus der Mondumlaufbahn betrachten. Es sind nur zwei Beispiele. Eine Vielzahl von Bildern, die man der Künstlergruppe des Jungen Rheinlands um Max Ernst, Walter Ophey, Wilhelm Lehmbruck zurechnet, sind ebenso beeindruckend, wie Schriften und Erklärungen von Walter Gropius zu den Designentwürfen des Bauhauses in Dessau. Für den Besuch der Ausstellung sollte man mindestens drei Stunden einplanen. Stunden, die sich zumindest für mich gelohnt haben.

Wer das Museum zum ersten Mal besucht, wird sicher auch von der Baukunst des schweizerischen Archtekten Peter Zumthor beeindruckt sein, der Kolumba auf den Mauern der im Krieg zerstörten spätromanischen Kirche St. Columba errichtet hat. Die Ausschreibung für den Museumsbau sah vor, dass mit möglichst wenig Technik die Ausstellungen zu sehen sein sollten. So ist das wechselnde Tageslicht im Museum, das durch große Fenster hereinfällt eine Besonderheit. Wer in Köln sich auf die Mühsalen des Bauens einlässt und dabei nur wenige Meter unter die Erde muss, wird es kaum vermeiden können, dass er auf römische Überreste stößt. So geschehen auch  im Kolumba. Das wohl größte Ausstellungsstück des Museums ist die Ausgrabung, die der Besucher begehen kann, wenn er die Eingangshalle nur duch einen unscheinbaren Ledervorhangvorhang getrennt wieder verlässt. Und wenn er genau hinhört, wird er es hören, das Gurren der Tauben, für die die Ruine der ausgebombten Pfarrkirche ein willkommenes Zuhause darstellte. Der Gesang dieser Kölner Tauben sollte aufgenommen und für die Ewigkeit festgehalten werden. Damit beauftragte der damalige Kustos und heutige Direktor weitsichtig den US-Künstler Bill Fontana.