Schlagwörter

, , , , ,

Ob ich vielleicht Lust und Zeit hätte, mal wieder über ein Fotobuch in meinem Blog zu schreiben, hatte mich Carina Weisweiler vom mitp-Verlag gefragt.  Zeit … ? Das sollte kein Problem sein. Im Moment ist das Leben ja sowieso völlig entschleunigt. Ein Virus zwingt uns nicht nur in soziale, sondern auch in konkrete physikalische Distanz zu unseren Mitmenschen. Ich erinnerte mich, dass ich schon einmal für den mitp-Verlag geschrieben hatte und recherchierte in meinem eigenen Blog. Schon fünf Jahre her, irgendwie geht alles so schnell. Hier der Link:

https://frizim.wordpress.com/2015/07/25/das-hat-uns-noch-gefehlt/

Wie Fotos wirken, so der Titel des neuen Buches. Ich gebe zu, dass er mich reizte, wenngleich ich auch dachte, dass da ein Wort fehlen könnte und der Titel angebrachter wäre, Wie Fotos wirken sollten. Seien wir doch mal ehrlich, wie lange schauen wir uns ein Bild auf Instagram an, bevor wir es wegwischen? Irgend etwas um eine Sekunde las ich in einer Statistik. In einer so kurzen Betrachtungszeit kann kein Foto wirken. Aber das ist natürlich etwas anderes, wenn man ein Foto auf Papier betrachtet oder in einem Buch, wie diesem hier. Ich blätterte es, wie ich es immer tue, von hinten nach vorn durch. 160 Seiten, Hardcover gebunden, grafisch schön gestaltet mit 2-3 Fotos pro Doppelseite. „Wie wir sehen, wahrnehmen und denken“, so der Untertitel. Ich begann zu lesen.

Als Fotograf, der noch mit der analogen Fotografie groß geworden ist, konnte ich das erste Kapitel, in dem der Autor über Blickwinkel, Bildausschnitt, Schärfentiefe, Brennweiten und Belichtung referiert, schnell hinweg lesen. Für mich wurde das Buch erst mit den Kapiteln 2-4 interessant, in denen Beispielfotos daraufhin untersucht werden, welchen visuellen Reiz sie auf den Betrachter ausüben (Kap.2) und wie Fotos aufgenommen werden sollten, damit sie eine Geschichte erzählen (Kap. 3). Interessant auch, dass der Autor, Brian Dilg, nicht nur seine Meinung kundtut, sondern auch andere Experten, zum Beispiel, Kuratoren*innen zu Wort kommen lässt. Auch wenn mir das erste Kapitel persönlich keinen Mehrwert an Erkenntnis brachte, gebe ich aber zu, dass für einen Fotografie Anfänger das Kapitel 1 von großem Nutzen sein kann, sofern er sich entschließt, anstelle des Handys einen Fotoapparat zu benutzen. Es macht schon einen Unterschied, wenn man weiß, wie man mit manuellen Einstellungen ein Foto beeinflussen kann. Brian Dilg’s Buch „Wie Fotos wirken“ ist ein Lehrbuch, in dem der Autor vermittelt, wie die Theorie der Wahrnehmung auf konkretes fotografisches Schaffen anzuwenden ist. In der Praxis läuft das eigene Fotografieren allerdings anders ab. Da sind dann vor allem Intuition, das Erkennen des richtigen Augenblicks und das Gefühl für Bildaufteilung gefragt.